Mobile Media II - Herausforderungen der Medienbranche
Über die Herausforderungen der Medienhäuser, mediales Umdenken und Ideen für gute Apps
Die Verlage stehen vor einer großen Herausforderungen: Die neuen Formate des digitalen und mobilen Medienzeitalters zu entwickeln und gleichzeitig das eigene wirtschaftliche Überleben im Auge zu behalten. Zwar zeigen Studien, wie die schon zitierte von Tomorow-Fokus-Media, die Bereitschaft von 75% der Befragten für journalistische Inhalte zu bezahlen. Die Realität sieht, wie zahlreiche Redaktionen wissen, dann aber oft anders aus.
Die multimediale Tageszeitung
Weltweit verhält es sich sehr unterschiedlich. Die hochgelobte iPad App der Financial Times schlägt mit 4,99 Euro bzw. 7,49 zu Buche. Während die New York Times ihre App kostenfrei anbietet.
Zahlreiche deutsche Medienhäuser bieten ihre Apps kostenfrei an (Fokus, tz ). Einer der Gründe, weshalb es kostenpflichtige Apps es hier zu Lande schwer haben. Doch seit dem iPad versuchen einige Verlagsgruppen wie z.B. die Mediengruppe DuMont Schauberg und die Axel Springer AG über das Ausloten der technischen Möglichkeiten des iPad neue zahlungsbereite Leser für die iPad-App-Versionen ihrer Tageszeitungen zu gewinnen.
Die iPad Apps des Kölner Stadtanzeiger, der FR oder Bild bieten ihren Lesern aber keine Printausgabe eins zu eins, sondern eine multimediale Tageszeitung mit zusätzlichen Dimensionen wie Tobias Kaufmann, der App-Projektleiter des Kölner Stadt-Anzeigers erklärt. Neben vielen großen Bildern finden sich auch Audiodateien, Videos, Grafiken und einige Spielereien.
Geschäftsmodelle und die Abhängigkeit von Apple
Nicht nur technologisch und journalistisch ist ein Umdenken nötig. Auch geschäftlich sind neue Wege gefragt. Lief ein Abonnement zwölf Monate und verlängerte sich automatisch um weitere zwölf Monate, muss ein Abo im Appstore alle vier Wochen bestätigt werden. Verlage haben heutzutage mehrere regionale und überregionale Printmedien im Haus. Ein App-Launch muss gut geplant sein - wirtschaftlich und konzeptionell. Eine zuverlässige technologische Beratung ist unerlässlich. Eine Lösung können insbesondere für das auf knappe Information fokussierte iPhone zum Beispiel sogenannte Universal-Apps sein. D.h. eine Basisapp, die sich mit unterschiedlichen Inhalten aus dem Verlagshaus beliefern lässt. Entwicklungskosten fallen dann nur einmal an.
Neben den Kosten setzt die Abhängigkeit von Apple den europäischen Journalisten auch inhaltlich Grenzen. Unbekleidete Mädchen sind ein NoGo im Steve Jobs Appstore, wie die Springer AG zu Kenntnis nehmen musste.
Die gute App?
Gute mediale Appkonzepte in Abgleich mit dem Nutzungsverhalten und technischen Möglichkeiten werden langfristig entscheidend für den Erfolg eines Medienhauses sein. Doch muss man zwischen iPhone und iPad unterscheiden. Die Nutzungsgewohnheiten zeigen schon jetzt, dass das iPhone eher zur Informationsabfrage zwischendurch genutzt wird. Interessant sind hier also Formate, die knapp Informationen ausgeben. Praktische: wie Wetter, Verkehr. Interessengeleitete: wie Börsenstand, Sportergebnisse etc. und aufbereitete Tickermeldungen aus den einzelnen Ressorts.
Standard-Apps von Medienanbietern für das iPhone bieten deswegen oft knappe, aktuelle Informationen. Während iPad-Apps sich auch in ihrer Aufbereitung am längeren Lesevergnügen ausrichten und vertiefende Informationen anbieten wie Videos, Verlinkungen ins Archiv etc. ohne dabei auf Aktualisierungen zu verzichten. Im Idealfall entwickeln die einzelnen Verlage im Laufe der nächsten Zeit eigene multimediale Formate ihrer Muttermedien für iPhone und iPad. Denn das kommt letztlich auch den Printausgaben zu Gute. Eine Studie der Springer AG zeigte jüngst, dass gerade das iPad den Lesern unter 30 wieder Lust auf mehr Printinhalte macht.
Für eine Lokal- oder Regionalzeitung ist eine tägliche App wahrscheinlich eher unrentabel. Es wäre aber denkbar lokale oder regionale Inhalte im Rahmen einer überregionalen Medienapp mitzuliefern oder einen Sonntagsservice auf dem iPad anzubieten. Eine andere Alternative sind die bereits angesprochenen Universalapps. Letztlich entscheiden die Benutzer. Aber die Medienmacher können mit guten Ideen vorlegen.
Quellen:
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